Im letzten Blogbeitrag haben wir verdeutlicht, dass das Schlafverhalten von Pferden die Leistungsfähigkeit signifikant beeinflusst. Vermutlich ist auch der Lernprozess und die Informationsverarbeitung eng an den REM-Schlaf gekoppelt. Man muss sich zwangsläufig die Folgefrage stellen ob die Haltungsform des Pferdes das Schlafverhalten beeinflusst, da die Leistung in direktem Zusammenhang steht.

Wir alle kennen das kontroverse Diskussionsthema von unterschiedlichen Haltungsformen. Es wird vielfach diskutiert und nicht selten gibt es unter Pferdebesitzern und Trainern der unterschiedlichen Reitdisziplinen Anlass zu gegenseitigen Anfeindungen der Pferdehalter.

Schauen wir das Thema einmal aus einer wissenschaftlichen Perspektive an:

Fraser(1) identifizierte 4 Ruhehaltungen des Pferdes:
Bummeln (engl.: idling), Ruhen (engl.: resting), Dösen (engl.: drowsing) und Schlafen (engl.: sleeping).

Idling ist eine passive Wartehaltung, die das Stehen mit abwechselnden Beinen in Ruhestellung mit sich bringt. Resting findet im Stehen statt und zwar in Wachheitsphasen zwischen Dösen und Schlafen. Dösen findet im Stehen statt und Schlafen im Liegen, die für uns, heute in diesem Blog interessanteste Phase.

Wir sprechen von 2 verschiedenen Schlafstadien. Dem slow-wave sleep (SWS)

Slow wave sleep des Pferdes. Das erste Schlafstdium des Pferdes.

und dem rapid eye movement sleep (REM) auch paradoxical sleep oder Tiefschlaf genannt.

Rapid eye movement sleep (REM) auch paradoxical sleep oder Tiefschlaf genannt.

Im SWS Schlaf bleibt eine Muskelanspannung erhalten, auch wenn der Kopf sich am Boden ausruht. Im REM Schlaf ist keine physische Haltung mehr möglich, daher sind auch die Augenlider geschlossen. Der REM Schlaf wird immer von einer längeren SWS Phase angeführt und geht dann fließend ineinander über. Beides zusammen wird als ein Schlafzyklus bezeichnet.

Schlafverhalten des Pferdes - verschiedene Schlafphasen- und positionen des Pferdes.

Wenn Pferde nicht in der Lage sind sich hinzulegen (unabhängig ob aus physischen Gründen oder psychischen, Unwohlsein, Unsicherheit oder gar Angst in neuer Umgebung), kann ein SWS Schlaf einen verlorenen REM Schlaf nicht kompensieren! Das heißt, wir müssen eventuelle Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisprobleme tolerieren und schnellstmöglich eine verbesserte Schlafumgebung sicher stellen.

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass eine Einhaltung individuell festgelegter Anzahl an REM Schlafphasen bei Pferden notwendig ist, für die Gesunderhaltung und Leistungsfähigkeit des Pferdes. Vor allem beeinflusst sie das Lernen, die Leistung und das Wohlbefinden des Pferdes. Interessanterweise zeigen Pferde in Weidenhaltung weniger Tiefschlafphasen, dafür mehr Dösen (2), als Pferde in separierter Boxenhaltung.

Pferde, die in einer Weide in Gruppenhaltung stehen, bleiben wacher. Es ist anzunehmen, dass sie aus dem Überlebensinstinkt heraus, die Umgebung ständig zu Überwachen versuchen. Auch das Wetter beeinflusst diese Verhaltensweise sowie der Untergrund auf dem die Pferde stehen. Bei Hitze sind Pferde beschäftigt Fliegen mit Schweif-Schwüngen zu vertreiben, was nur in stehender Haltung möglich ist. Auch beeinflusst Kälte das Liegeverhalten, aufgrund eines Temperaturverlustes bei Körperkontakt mit dem Boden. Die Länge des Tageslichtes beeinflusst die Produktion der Hormone Serotonin und Melatonin, die einen großen Einfluss auf das Schlafverhalten haben.

Pferde in Stallhaltung dösen weniger, schlafen tiefer. Das rechtfertigt nicht Pferde ganztägig im Stall zu halten, aber es scheint ein Argument zu sein für eine nächtliche Boxenruhe in Stallungen, die den Tierschutzrichtlinien entsprechen, gut gelüftet sind, Sichtkontakt gewährleisten, trockene Einstreu verfügen und ausreichend Auslauf und sozial Kontakt während des Tages gesichert ist. Pferde schlafen tiefer, wenn sie trainiert werden. REM Schlafphasen werden hauptsächlich zwischen 8:00 Uhr abends und 5:00 Uhr morgens beobachtet.

1.    Fraser AF. The behavior of the horse. Wallingford, Oxon: CAB International; 1992
2.    Dallaire A. Rest behavior. Vet Clin North Am Equine Pract: Behav 1986; 591-607

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