Nach einer Seminarteilnahme bei unserem 1-Tagesseminar ist der Wunsch von einer verzweifelten Pferdebesitzerin in Erfüllung gegangen – Sie konnte Ihr Pferd zu uns ins Training bringen.

Hier ein Trainingsbericht zum Nachlesen:

Nachdem Pferd und Besitzer am Abend, in unserem norddeutschen Standort in Schleswig-Holstein gut angekommen waren, verschafften wir uns zunächst einen Überblick über den Trainingszustand von Lotta und erfuhren auch die ganze Perspektive und Historie der Besitzer.

Es galt zunächst herauszufinden was die Herausforderung für dieses Training ist. Schnell stand fest: Die Stute dreht beim Reiten blitzschnell und gefährlich um, wenn ihr Pferde entgegen kommen. Hervorgerufen wurde dies durch einen Reitunfall im Springgeschehen.

Um einen noch besseren Einblick zu bekommen und das Pferd und seine Besitzer besser kennenlernen zu können, ließen wir uns Lotta kurz in einer ruhigen Halle ohne weitere Pferde vorreiten. Was wir sahen war ein liebes, ruhiges und aufmerksames Pferd. Das war eine schöne Ausgangslage, denn wir müssen im Training mit EBEC immer wieder Belohnungselemente und Ruhephasen finden, in denen wir den, vom Pferd empfundenen, Druck nachlassen können. Wir alle freuten uns, dass Lotta ein grundsätzlich ausgeglichenes Pferd ist, mit dem man gut zusammenarbeiten kann. Was uns jedoch gleich auffiel, war die verbesserungswürdige physische Verfassung. Wir machten direkt Pläne für Übungen zum verbesserten Muskelaufbau, z. B. sollten die Hinterhand- und Bauchmuskulatur gestärkt werden. Auch war auffällig, dass der Hals an manchen Stellen gut bemuskelt, aber zum selber tragen, auch hier Raum zur Verbesserung zu finden war. Das gefiel uns allen gut, denn daran kann die ganze Familie von Lotta zu Hause nach ein paar Einweisungen gut alleine weiter arbeiten und auch die in ihrem Stall engagierten Trainer einbinden.

Noch am gleichen Tag nahmen wir die Dressurstute, nach entsprechender Vorbereitung, an die Doppellonge, und schauten uns ihren Bewegungsablauf ohne Reiter an. Wir longierten an einem speziellen Trainingshalfter ohne Gebiss und sie zeigte sich wesentlich weniger „maulig“. Das gab uns den Hinweis in jedem Fall auch die Zähne einmal überprüfen zu lassen. Um uns langsam an Lottas Problem, sich von anderen Pferden abzuwenden, ranzutasten, holten wir zuerst ein Pony in die Reithalle, welches um den Longierzirkel, in dem sich Lotta befand, herumgeritten wurde.

Das entgegenkommende Pony war für die Holsteiner Stute kein Problem, auch ein großer Warmblüter, mit welchem wir danach um sie rumritten löste keine Anzeichen für die Flucht und das blitzschnelle Umdrehen aus. Wir lernten in weiteren Gesprächen, dass sie vornehmlich mit dunkleren Pferden ein Problem hat, denn ein solches war auch in den Unfall involviert. Wir tasteten uns also Stück für Stück an größere Pferde heran und auch konfrontierten wir Lotta mit arbeitenden Pferden, die durch die körperliche Anstrengung unter dem Sattel lauter atmen als im Ruhezustand. Wir arbeiteten uns Stück für Stück voran, denn ein panisches Verhalten von Lotta wollten wir unbedingt vermeiden. Wir holten sie immer nur ein wenig aus der Komfortzone heraus, sodass sie beim Reiten den Kopf hob und aufmerksamer ein entgegenkommendes Pferd betrachtete, es aber nicht zu einer Drehung und einer damit vorhandenen Vermeidung der Situation kommt. Früher, zu Pferdeflüsterer-Zeiten hat man Pferde showträchtig in Aufregung gebracht, also mit dem angsteinflößenden Reiz überflutet. Das sorgte, wie wir es wissenschaftlich nachweisen konnten, für so viel Adrenalin im Körper und so viel Stress und Angst, dass es im Rahmen der Vorführung zwar zu einem guten Ergebnis kam, aber langanhaltendes Lernen und eine langanhaltende Verhaltensveränderung nicht hervorgerufen werden konnte. EBEC® ist eine wissenschaftlich fundierte Vorgehensweise, die das Pferd mit dem angsteinflößenden Reiz in Kontakt bringt, aber niemals überflutet. Wir müssen die Möglichkeit zur Auseinandersetzung und Verarbeitung schaffen und dies geht nur über einen ruhigen Geist, der sich vertrauensvoll mit der potentiellen Gefahr auseinandersetzen kann. Eine schwierige Aufgabe, die unsere Equine Coaches in den Zertifizierungslehrgängen der AKA erlernen anhand von Ethogrammen, die Verhalten von Pferden für uns lesbar werden lassen.

Um Schmerzreize auszuschließen ließen wir die Halswirbelsäule von einem Fachtierarzt untersuchen, ebenso wie das Gebiss. Die Halswirbelsäule war ohne Befund, was uns alle natürlich riesig freute, die Zähne benötigten jedoch einige Aufmerksamkeit. Tipp: Für Zähne immer einen spezialisierten Zahntierarzt mit entsprechender Zusatzausbildung hinzurufen.

Nachdem der Zahnarzt die Fehlstellung behoben hatte und wir Lotta nach ein paar Tagen an der Doppellonge ohne Gebiss, wieder ins Training nehmen konnten, fokussierten wir uns vermehrt auf Muskelaufbau, gute Reiterei in Biegungen, über Cavalettis, Stangenarbeit und viele Tempowechsel. Lotta fühlte sich zunehmlich unter dem Sattel wohler und zeigte sich insgesamt zufriedener. Es war schön zu sehen, wie sie sich mehr und mehr auf die Übungen freute und kooperativ mitwirkte. Die verbesserte physische Konstitution hatte nun auch erhebliche Auswirkungen auf die psychische Belastbarkeit. Andere Pferde konnten nun problemlos in der Halle reiten, auch wenn es einmal eng aneinander vorbei ging. Natalia Stecher, vom Stall Stecher, ist eine hervorragende Turnierreiterin mit vielen Erfolgen und tollen Pferden aus der Schleswig-Holsteiner Zucht von Dr. Rolf Stecher. Sie war gerne bereit um Lotta herumzureiten und uns zu helfen die Reize, die Lotta Angst bereiteten, immer weiter zu steigern. Konfrontieren ja, Angst machen und eine Überreaktion hervorrufen nein. Diese Balance ist uns allen gemeinsam als Team hervorragend gelungen. Innerhalb von wenigen Tagen hatten wir eine hoch motivierte und lernbereite Partnerin unter dem Sattel, welche wir mit glücklichen und erleichterten Besitzern sowie einer Menge Hausaufgaben für Lotta und ihre ReiterInnen nach Hause verabschieden konnten. Das Problem, was es nun als nächstes zu überwinden gilt, ist die erfolgreiche Integration in den Stall in dem Lotta negative Bilder des Unfalles abgespeichert hat.  Jedem kann ein Unfall im täglichen passieren, wenn sich ein Pferd erschreckt oder in einer ungewohnten Situation überreagiert. Und dann gilt es alte Bilder zu überlappen mit einer positiven Erfahrung. Unsere Empfehlung ist daher immer einen zertifizierten AKA | Equine Coach nach einem solchen Training zu buchen, der im heimischen Stall, Stück für Stück, das neue Verhalten etabliert. Das Pferd kann ansonsten mit unverständlichen Konsequenzen im falschen Moment schnell wieder in das alte Verhalten zurückfallen. Hier arbeiten Equine Coaches eng mit Pferd, Besitzer und den heimischen Trainern des Pferdes zusammen, damit ein langanhaltender Erfolg eines solchen Trainings sicher gestellt werden kann.

Jeder Reiter, Halter und Pferdeinteressierte muss sich bewusst machen, dass das Pferd nur ein körperliches Kommunikationssystem zur Verfügung hat und sich uns, über verbale Kommunikation, so gut wie gar nicht mitteilen  kann. Alles was das Pferd mit seinem Körper macht dient der Kommunikation mit seiner Umwelt. Weist ein Pferd also ein nicht erwünschtes Verhalten auf, muss man sich auf die Suche begeben und die Ursache finden. AKA | Equine Master Coaches sind auf eine solche Anamnese spezialisiert und stellen sicher, dass der Auslöser für ein Verhalten schnell gefunden werden kann. Grundlage der EBEC Pyramide ist dabei sicher zu stellen, dass das Pferd sowohl physisch, als auch psychisch, dazu in der Lage ist, unseren Anforderungen Folge zu leisten. Damit man ein eventuelles unerwünschtes Verhalten umtrainieren kann, muss Schmerz und Überforderung ausgeschlossen werden.

Um die Kommunikation mit dem Pferd  unmissverständlich und sicher zu gestalten kann man EBEC (Evidence Based Equine Communication), die in der AKA | Andrea Kutsch Akademie entwickelte Trainingstechnik, erlernen. Für einen ersten Einblick eignen sich hervorragend unserer Seminare. Wer direkt intensiver Lernen möchte, oder ggf. sogar überlegt seinen Traum zum Beruf zu machen, der kann mit dem ersten Block in unserem Lehrgangssystem einsteigen, mit optionaler Zertifizierungsmöglichkeit zum AKA | Equine Coach.