Pferdezentrisches Denken lässt uns Pferde verstehen

Lange vorbei sind die Zeiten, in denen Pioniere der pferdezentrischen Perspektive wie Andrea Kutsch mit ihrer neuen, veränderten Sichtweise belächelt wurden. Der Ansatz, eine Trainingsatmosphäre zu kreieren, in der das Pferd sich sicher und wohl fühlt, hat zum Glück mittlerweile viele Pferdefreunde überzeugt und ist zunehmend ein Thema in der Pferdewissenschaft geworden.

Doch noch immer fehlen umfassende Werkzeuge, die es ermöglichen, Wohlbefinden aus der Sicht der Pferde besser wahrzunehmen und vor allem messbar zu machen. Solange wir nicht über diese verfügen, wird unsere sehr menschliche Definition von Wohlbefinden die Art und Weise der Forschung und Studien bestimmen. Daher ist unsere Forderung an internationale Forscher und Universitäten deutlich: es ist auch in der Pferdewissenschaft ein Perspektivenwechsel gefragt.

„Viele Studienprofile werden aus der Perspektive des Menschen angelegt und sind daher oft unschlüssig und dann abschließend für den Einzug in die Praxis am Pferd für uns nicht verwertbar“, so Andrea Kutsch, die sich damit auch an Studenten richtet, die Studienthemen für ihre Bachelor,- Master- oder Doktorarbeiten suchen und wählen.

„Ich sehe eine der Hauptaufgaben der AKA darin, einen Perspektivenwechsel zu unterstützen. Unser Anspruch ist es, eine Verbindungsakademie zwischen der Wissenschaft, den wertvollen Forschungsergebnissen und den Menschen zu sein, die in der Praxis mit der Hand am eigenen Pferd Weiterentwicklung, Wissen und Unterstützung suchen“, so Andrea Kutsch auf Nachfrage einer Journalistin nach der Rolle der Andrea Kutsch Akademie in der heutigen Pferdewirtschaft.

Was empfinden Pferde als Glück?

Ausreichend artgerechtes Futter, kein Schmerzen, keine Angst, Artgenossen greifbar – sind das die Zutaten, die ein Pferd zu einem glücklichen Tier machen? Oder ist alles ganz anders?

Historisch betrachtet wurde das Wohlbefinden von Pferde zunächst anhand seines Gesundheitszustandes gemessen, auf Basis von körperlicher Fitness wie auch der Abwesenheit von Schmerz. Später kamen Messverfahren für soziale Bedingungen hinzu, basierend auf wissenschaftlichen Beobachtungen.

Auch wenn alle diese Faktoren wichtige Schlüssel für Zufriedenheit sind, so lässt sich aus ihnen nur ansatzweise ableiten, ob es einem Pferd wirklich gut geht. Verhaltensforscher warnen deshalb vor voreiligen Schlüssen der Pferdeflüsterer oder traditionell gebildeten Pferdewirte und Pferdeprofis.

Auch Brückenschläge sind da nur Teilaspekte: Die Messung der Herzfrequenz kann ein Indikator für Stress wie auch für den Grad der Emotionalität sein – unklar bleibt jedoch, ob es sich dabei für das Pferd um positive oder negative Gefühle handelt. Augentemperaturmessungen sind ebenfalls ein Indikator für Stress – nicht eindeutig ist jedoch, ob es sich tatsächlich um emotionalen – und als negativ empfundenen – Stress oder aber physischen Stress handelt.

„So hilfreich diese Messungen sind, sie sagen rein gar nichts über den mentalen Zustand eines Pferdes aus“, bestätigt uns Prof. Natalie Waran der tiermedizinischen Fakultät der Universität Edinburgh. Und um das tatsächliche Befinden zu evaluieren, um quasi „in den Kopf des Pferdes zu schauen“, seien bis heute die passenden Messwerkzeuge rar. (siehe auch Blog-Artikel „Blick in den Kopf“)

Als ersten Schritt in diese Richtung sieht Waran die so genannten Optimismustests. (siehe Blogartikel „Ist die Futterkrippe halb voll oder halb leer?“). Auch genaue Beobachtungen seien ein adäquates Mittel, mehr über das Wohlbefinden eines Tieres herauszufinden, ebenso wie Studien, in denen die Pferde selbst die Regie übernehmen und beispielsweise über klassische Konditionierung lernen, bestimmte Aspekte in ihrem Umfeld zu ändern. All dies kann viele Hinweise darauf geben, wie wichtig beispielsweise eine bestimmte Futtersorte, mehr Raum etc. für das Wohlbefinden eines Tieres sind.

Gleichzeitig warnen Waren und auch Kutsch davor, sich allzu sehr auf punktuelle Wahrnehmungen zu verlassen: Wer ein Pferd beobachtet, das mit Energie trainiert und ohne Zögern das gewünschte Verhalten an den Tag legt, weiß noch lange nicht, wie es dazu gekommen ist.

Werkzeuge zur Glücksmessung dringend gesucht

Die meisten Studien, seien sie behavioristisch oder physisch geprägt, betrachten nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben eines Pferdes. Auch dieser Blickwinkel ist abhängig von unserer Definition von „Wohlbefinden“. Meinen wir damit eine bestimmte Lebensspanne oder handelt es sich dabei nicht gar sogar um einen noch viel allgemeineren Begriff? Meinen wir damit eine allgemeingültige Definition oder das individuelle, nur auf ein Tier bezogene „Glück“?

Fragen über Fragen und wir in der AKA ziehen – bis weitere Werkzeuge zur Messung von Glück entwickelt wurden – die neutralen Zustandsethnogramme zu Rate, wenn es darum geht, ein Verhalten oder einen körperlichen Ausdruck eines Pferdes von außen zu werten. „So bieten wir dem Pferd im Training und der Ausbildung Lösungen, bevor messbare Parameter wie Kortisol oder Adrenalin im Blut vorhanden sind, also bevor der Stress überhaupt ausbricht. Wir suchen nach der Ursache und bekämpfen nicht das Symptom“, definiert Andrea Kutsch ihre pferdezentrische Perspektive.

Wohlbefinden neu und aus der Sicht des (individuellen) Pferdes zu definieren, ist die künftig anstehende Aufgabe der Pferdewissenschaft. Wohin man schaut, werden derzeit neue Standardtests entwickelt; Messinstrumente, die physische wie psychische Aspekte ebenso einbeziehen, wie die Individualhistorie des Pferdes. Ein Instrument, das Beobachtung und Messung miteinander vereint und auf dem Wege mehr über den mentalen Zustand eines Pferdes auszusagen vermag, wäre Andreas Traum-Tool und würde in der AKA unmittelbar Anwendung finden.

Wie du bei einem Pferd dichter an das Ideal kommst, „in den Kopf zu schauen“, lernst du in den Kursen der AKA. Denn dort geht es nicht nur darum, wie du mit deinem Pferd aus pferdezentrischer Sicht trainierst, sondern auch darum, wie du dafür sorgen kannst, das sich dein Pferd dabei wohl fühlt.


 

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