Es sind nur Sekundenbruchteile, doch sie machen jahrelanges Training und Investitionen zunichte: Wenn ein Pferd sich bei einem Galopprennen verletzt, wenn es strauchelt oder stürzt, dann sind die Folgen oft gravierend bis fatal. Wie solche Unfälle verhindert werden können, damit beschäftigte sich nun Ashleigh V. Morrice-West, Tierärztin am veterinärmedizinischen Institut der Universität von Melbourne. Ihre These: Ein Unfall auf einem wie auch immer gearteten Geläuf, seien es Gras- oder Sandrennbahnen, hat seine Ursache nicht zwingend in dem Moment, in dem es passiert, sondern in der Trainingshistorie des Tieres. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass ein Pferd so trainiert werden kann, dass sich das Unfallrisiko auf der Rennbahn minimiert.

Paradoxien und Zusammenhänge im Pferderennsport

Auch wenn die Zusammenhänge noch nicht weitläufig erforscht sind, auch wenn die wissenschaftliche Korrelationsbildung und die daraus resultierenden Erkenntnisse noch in den Kinderschuhen stecken, so ist sich die Veterinärin dennoch sicher, dass das Unfallrisiko steigt, wenn ein Pferd auf einem Untergrund galoppiert, auf dem es sich vorher im Hochgeschwindigkeitstraining noch nie bewegt hat. Dennoch gibt es auch Paradoxien: Ein solches Training auf Sandboden birgt bereits beim Üben ein höheres Unfallrisiko. Dennoch müssen Pferde auf diesem Untergrund den Galopp trainieren, denn er gehört mit zu den am häufigsten genutzten Geläufen im Pferdesport. Welches Maß das richtige ist, um das Rennpferd zu stärken und gleichzeitig Unfälle zu vermeiden, ist ein Forschungsfeld, in dem es dringenden Nachholbedarf gibt, und das jetzt mehr und mehr die Aufmerksamkeit der Pferdewissenschaftler erreicht. Da wir in der AKA mit EBEC auch Rennpferde anreiten und ein Programm entwickelt haben, das sie hervorragend auf die Startmaschine vorbereitet, ist dieser Forschungsansatz für uns und unsere zertifizierten Equine Coaches von Bedeutung.

Anpassung an unterschiedliche Böden aufbauen

Als ersten Ansatz befragten Morrice-West und ihre Mitstreiter Trainer im Australischen Victoria nach ihren Methoden. Rund 82% nutzten Grasbahnen für ihr Hochgeschwindigkeitstraining. Ein Geläuf, dass sehr oft auf der Rennbahn vorzufinden ist. Sie nutzten diesen Untergrund interessanterweise aber nur bei 1/3 der Trainingsläufe. Die anderen beiden Drittel wurde auf Sandboden oder Synthetik absolviert – und das obwohl gerade letzteres Geläuf kaum auf der Rennbahn am eigentlichen Renntag vorzufinden ist.

„Dies kann ein Risikofaktor für Unfälle sein, denn wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Muskulatur, Knochen und Sehnen um die 8 bis 12 Wochen brauchen, um sich einem bestimmten Untergrund anzupassen“, so die Veterinärin. Ist diese Anpassung einmal geglückt, braucht es nicht viel, um sie aufrecht zu erhalten, doch sie muss zunächst einmal geschehen. Andrea Kutsch berichtet aus ihrer langjährigen Erfahrung im Galopprennsport: „Ich habe viele Pferde im Training gesehen, die zu Hause im Training top vorbereitet waren und dann mit großen körperlichen Schwierigkeiten vom Renntag nach Hause kamen. Nicht selten müssen Pferde aus dem Sport genommen oder gar eingeschläfert werden. Die These der Stärkung erscheint mir absolut logisch. Das könnte auch Sehnenschäden und Überbelastung einschränken.“ Morrice-West zeigte sich zudem erstaunt darüber, wie häufig Lehmuntergründe beim Hochgeschwindigkeitstraining genutzt wurden, obwohl sie als extrem risikoreich gelten. Das Argument, dass sie gelenkschonender seien, kann sie als Wissenschaftlerin nicht unterschreiben.

Schlechte Vorbereitung auf den Renntag im Galoppsport

Für Morrice-West besteht noch ein massiver Forschungsbedarf zu den Zusammenhängen von verschiedenen Trainingsmethoden und -historien mit dem Unfallrisiko auf der Rennbahn – viel zu wenig ist bekannt, auch wie andere Ansätze, wie z.B. Schwimmen, Laufbänder oder gezieltes Krafttraining bergan, das Unfallrisiko beeinflussen. Bis dies geschehen ist, bis valide Ergebnisse vorliegen, rät sie Haltern, das Tier in Vorbereitung auf Rennen mindestens einmal pro Woche im schnellen Galopp auf genau dem Untergrund zu trainieren, den es später auch auf der Bahn vorfinden wird. „Zumindest in Australien sind viele Pferde eher schlecht auf das vorbereitet, was sie auf der Bahn erwartet“, so die Veterinärin. Sich dessen auch hierzulande bewusst zu sein und das Training entsprechend anzupassen, ist die eine Seite, wissenschaftlich valide Ergebnisse zu stellen, die andere.

Auch wenn Euer Pferd kein Hochleistungssportler ist – in den Lehrgängen der AKA lernt Ihr viel über die körperlichen Zusammenhänge, die Funktionsweisen von Knochen, Sehen und Gelenken. So habt Ihr eine gute Grundlage Euer Training und Eure Ausritte vorzubereiten und umzusetzen, damit Pferd und Reiter heil und gesund ans Ziel kommen!


 

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