Mit einem Pferd im Wettbewerb starten, kann Stress hervorrufen – für den Reiter wie für das Pferd.

Die meisten Reiter wollen mit ihrem Pferd gut und artgerecht umgehen, um so die Leistung des Pferdes zu steigern und gemeinsam Erfolge feiern zu können. Die Wissenschaft bietet nun messbare Parameter, anhand derer Reiter feststellen können, ob sie während eines Rennens oder Turniers ihrem Pferd womöglich weh tun oder ihm Schaden zufügen würden, was ihrem Ziel des harmonischen Reitens widersprechen würde.

Eine dänische Studie unter der Leitung von Dr. Hilary Clayton, diplomierte Fachveterinärin für Turnierpferde und medizinische Beraterin des dänischen Pferdesportverbandes, nahm dazu mit einem speziell dafür ausgebildeten Team 3.314 Sportpferde unter die Lupe. Die Studie ist nicht nur deswegen wichtig, weil sie erstmals eine wirklich große Zahl von Sportpferden aus allen Wettbewerbsbereichen untersucht, sondern auch, weil sie unangekündigt durchgeführt wurde. Mit erhellenden Ergebnissen – denn das, was immer noch gängige Praxis ist, bedeutet leider durchaus oft Schmerz für die Pferde.

Untersucht wurden Art und Weise des Einsatzes von Nasenriemen und Zaumzeug, von Gebissen und Sporen sowie ob sich Blut oder Fellabrieb an den Sporen oder hinter den Gurten befand und ob sich Schwellungen, Läsionen oder Blut in den Mundwinkeln der Pferde, an ihrer Kruppe, den Vorderflanken oder hinter den Gurten zeigte. Korreliert wurden diese Daten dann mit der Wettbewerbsform und dem Wettbewerbsniveau. Während es möglich war, Nasenriemen und Zaumzeug genau zu untersuchen, limitierten die Wettbewerbsregeln die Forscher dahingehend, dass der orale Bereich nur äußerlich untersucht werden durfte. Ob Läsionen oder Blut im Maul selbst vorlagen, war daher nicht verifizierbar. Dennoch sind die gesammelten Daten äußerst aufschlussreich.

Bei 9 % der Sportpferde entdeckte das Forscherteam Blut in den Maulwinkeln. Läsionen an den empfindlichen Lippen waren häufiger, je höher das Wettbewerbsniveau lag. Am auffälligsten waren diese Verletzungen im Dressurbereich (Pferde 10 %, Ponys sogar 16 %), aber sie lagen auch in allen anderen Wettbewerbsformen vor (Springreiten: Pferde 8%, Ponys 5%; Vielseitigkeit: Pferde 7 %, Ponys 3 %; Ausdauer: Pferde 5 %, Ponys: 12 %!). Interessanterweise gab es keinerlei Unterschiede, ob mit oder ohne Gebiss geführt wurde – ein gebissloses Zaumzeug ist also kein Schutz vor Verletzungen im Maulbereich. Auch gab es keine signifikanten Unterschiede in den Verletzungen bei den verschiedenen Gebissarten.

Eine deutliche Korrelation lag dagegen zwischen einem eng geschnürten oberen Nasenriemen und den Läsionen am Maul vor. Je straffer der obere Nasenriemen geschnürt war, desto häufiger fand das Team Blut und Verletzungen in den Mundwinkeln der Tiere. Ganz deutlich weist Clayton darauf hin, dass der obere Nasenriemen etwas lockerer geschnürt werden sollte, damit er seine Funktion als negativer Verstärker überhaupt erfüllen kann. Er soll, wenn er überhaupt benutzt wird – für das Pferd nur dann (negativ) spürbar sein, wenn es das Maul öffnet und sofort Entlastung bringen, wenn das Maul wieder geschlossen wird. Ein dauerhafter Druck macht die eigentliche Funktion des Riemens komplett zunichte. Gleichzeitig bedeute „wenig“ aber nicht „gar nicht“: Pferde, die ein gebissloses Zaumzeug oder keine Nasenriemen trugen, hatten signifikant mehr Läsionen an den Lippen als Pferde, die mit einem locker sitzenden Nasenriemen geführt wurden. Die Studie unterstützt also nicht den Ansatz, dass es schmerzfreier für Pferde ist, sie gebisslos oder ohne Nasenriemen zu reiten.

Anders sieht es beim Einsatz von Sporen aus: Nach ihren Untersuchungen gibt Clayton ganz klar die Empfehlung, dass Sporen nur in Ausnahmefällen und das auch nur von sehr erfahrenen Reitern eingesetzt werden sollten. Ganz rät sie von verlängerten Sporen ab. Eine Verlängerung von nur 1 cm verdoppelte nach den Untersuchungen ihres Teams die Wahrscheinlichkeit, dass im Bereiche des Brutkorbes Fell abgerieben war. Eine deutliche Korrelation gab es auch zwischen Fellspuren an den Sporen und dem Wettbewerbsniveau: Lag der Level um nur eine Stufe höher, stieg parallel die Wahrscheinlichkeit, Haare an den Sporen vorzufinden, um satte 20 %. Einen Unterschied zwischen den Wettbewerbsarten stellte das Forscherteam nicht fest, wohl aber, dass der Einsatz von Sternradsporen und Hammerkopf deutliche mehr Verletzungen verursachte.

Claytons Studie ist eine der ersten in diesem Umfang, die einen derart intensiven Blick auf das gängige Equipment, sein Handling und seine Auswirkungen auf die Tiere im Wettbewerbszusammenhang wirft. Sie gibt wichtige Einblicke in den Umgang mit dem Lenkungswerkzeug.

Pferde erfüllen die ihnen gestellten Aufgaben mit der von Andrea Kutsch entwickelten Methode EBEC (Evidence Based Equine Communication) ohne Gewalt und Schmerz. Der Einsatz von positiver und negativer Verstärkung sowie von Shaping führt zum gewünschten Verhalten und zu einer breiten, motivierenden Vertrauensbasis. Das zeigen die Seminare und Kurse der AKA | Andrea Kutsch Akademie.

In den Lehrgängen der AKA schaffen wir in den Praxisphasen mit messbaren Parametern Klarheit, wann ein Zug am Gebiss zu stark oder auch zu schwach ist. Dazu setzen wir Zügeldruckmessgeräte ein, damit man in seiner Hand einmal spürt, wie es sich anfühlt, wenn es zu viel ist, man dem Pferd also Schmerz zufügt. Die Geräte zeigen aber auch, wann man vielleicht zu zaghaft ist und ruhig noch etwas mehr Druck ausüben darf, damit das Pferd die Aufgabe versteht. Zudem versteht man, wann und wie man das Pferd noch einmal nachtrainieren muss, weil auf das erwünschte Maß an Zug im Gebiss, die Parade vielleicht nicht durchkommt.

Reiter bekommen so ein Gefühl dafür, wie man das Maul sensibel hält und auch wie man den Schenkeldruck massvoll hält. So hilft uns die Wissenschaft, Pferde aus der Perspektive des Pferdes zu trainieren und wahre Kommunikation mit dem Pferd zu ermöglichen.

Verstehen die Reiter mit EBEC zu reiten, wird jegliche Form von Schmerz und Stress ausgegrenzt und es kommt zur Höchstleistung im Sport. EBEC ist nicht nur eine Ausbildungsmethode für Pferde, es ist auch ein Lifestyle, von Herzen mit Pferden zu arbeiten, auch wenn es um Höchstleistung geht.


 

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