Reitsport in Zeiten von Covid-19

Kleine Events, große Rennen, Messen, Sport- und Veranlagungsprüfungen, aber auch der Freizeitsport – das Corona-Virus hat alles rund um Pferd und Halter fest im Griff. Bereits das Signal Iduna Turnier fand vor leeren Bänken statt, das renommierte Derby in Klein Flottbek feiert seinen 100. Geburtstag zeitversetzt, das Equitana Open Air ist verlegt – ganz zu schweigen von internationalen Großevents wie den Olympischen Spielen in Tokio (Hier findest Du eine Übersicht dazu). Doch nicht nur im Profisport gibt es Einschnitte: Halter können aufgrund der geltenden Reisebeschränkungen gar nicht zu ihren Pferden, Training und Ausbildung muss teilweise entfallen. Ställe ebenso wie Auffangstationen geraten in Not. Da heißt es, Alternativen zu finden, denn Covid-19 wird uns ohne Frage noch länger begleiten. Und es gibt sie!

Pferde-Webinare

Die AKA hat bereits seit vielen Jahren ihre theoretischen Inhalte auf den praktischen und einfachen Webinar-Unterricht von zu Hause umgestellt und ist damit führend in der Pferdewirtschaft. Die gute Nachricht: Praxistage am Pferd, die in Partnergestüten stattfinden, bleiben parallel zur theoretischen Vermittlung von EBEC erhalten und werden einfach später durchgeführt. Und es gibt sogar einen Extra-Bonus der Webinar-Lehrgänge: „So lange Corona unsere Teilnehmer in Ausbildung zu Hause hält, bieten wir zusätzlich Videoanalysen von zu Hause aus an“, berichtet Andrea Kutsch. Die Teilnehmer laden dazu Videos mit ihren Pferdeproblemen oder -fragen in das Videoanalyse-Programm der AKA hoch. So kann auch zu Hause vollwertiger Unterricht geboten werden. Alle Teilnehmer nehmen bisher diesen Service in Anspruch und sind mehr als begeistert. Die Teilnahme an Praxistagen, in denen Andrea Kutsch und ihr Team live am Pferd zu erleben sind, verfällt dadurch nicht. Diese werden abgehalten, sobald alle wieder in ihre Stallungen dürfen.

Gesamte Sparte betroffen

Dass die Menschen kein Risiko eingehen wollen, dass sie nicht nur aufgrund der Gesetzeslage der unterschiedlichen Bundesländer angesichts der hohen Todesraten in Italien, Spanien und inzwischen auch den USA massive Zurückhaltung üben, ist verständlich. Organisatoren, Veterinäre und Hilfskräfte der Top-Events bekommen das ebenso zu spüren wie Vereine und Verbände. Allen voran: Gnadenhöfe und Tierschutzorganisationen. Es fehlt an freiwilligen Helfern, die kommen möchten oder dürfen, bereits vermittelte Tiere verbleiben aus den gleichen Gründen in der Obhut der Schützer. Und es wird bei all dem immer schwieriger, die notwendigen Finanzen aufzutreiben, denn Hoftage, Flohmärkte oder andere Events, die Spenden erwirtschaften, fallen ebenfalls aus.

Pferde in Not

Getroffen hat das auch die erste Pferdeklappe Deutschlands in Norderbrarup im Kreis Schleswig-Flensburg (Gründung 2013). Dort werden derzeit dreimal so viele Pferde wie üblich abgegeben. Der Grund: Halter verlieren ihre Arbeit, bangen als Selbstständige um ihre Existenz, wissen nicht, was die Zukunft bringt und können die Tiere nicht mehr finanzieren. Anfragen kommen aus ganz Deutschland, doch der Hof ist bereits jetzt mit knapp 40 Tieren auf 26 Boxen überbelegt, Limit wären eigentlich 31 Tiere. „In der vergangenen Woche mussten wir jeden Tag ein neues Tier aufnehmen. Die Leute kommen jetzt täglich zu uns auf den Hof“, schildert Gründerin Petra Teegen die aktuelle Situation. Dem gegenüber steht, dass der Hofflohmarkt geschlossen werden musste, die Lieferungen mit Spezialfutter für kranke Tiere teilweise gar nicht gebracht werden können. Das Problem wird sich weiter verschärfen, da ist sich Petra Teegen sicher. Dass künftig mehr Pferde abgegeben werden, befürchtet auch der Pferdesportverband Schleswig-Holstein.

Alternativen leben

Wie Teegen suchen auch Halter, Ställe und der Profisport mittelfristige Auswege und Alternativen. Jennifer Woodruff, die für Pferdesport-Events in New York und Ohio auf der Richterbank sitzt, beobachtete, dass die Veranstalter zunehmend offener für den Weg ins Virtuelle sind. Sie folgen damit dem Beispiel von Theatern und Konzertveranstaltern, die den Kontakt zum Publikum via Stream halten. Woodruff rechnet damit, dass es schon sehr bald in den USA einen Verband für virtuellen Pferdesport geben wird. Warum dann auch nicht in Deutschland?

Auch die Möglichkeit, sich virtuell via Skype oder Stream unterrichten zu lassen, ist in der heutigen Zeit gar kein Problem. Yogaschulen etwa gehen diesen Weg, um ihre Existenz zu sichern. Auch die AKA hat kurzerhand aus dem Ende April angesetzten Seminar in Hamburg ein Webinar gemacht. Bei diesem werden mit einem erprobten, hauseigenen Tool die spannenden, pferdezentrischen Inhalte ebenso gut und klar vermittelt wie vor Ort. „Wir müssen flexibler werden und über den Tellerrand schauen“, gibt Woodruff die Devise für den Sommer aus. Denn dann wird es auch in den kommenden Monaten wie in fernerer Zukunft Reitsport geben.


 

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