Arnold Schwarzenegger, Sebastian Vettel, Rosemarie Mittermaier – ohne konsequentes und umfassendes Muskeltraining wären diese Spitzensportler nicht da, wo sie sind. Das gilt auch für Pferde. Egal ob Spring-, Reit- oder Dressurpferde, egal ob Freizeitreiterei oder Profisport: Mit einem Reiter auf dem Rücken haben unsere Pferde nicht nur mehr Gewicht zu befördern, sie müssen dieses auch koordinieren können. Eine beachtliche Leistung. Umso wichtiger ist es, dem Pferd durch das Strecken und Senken des Kopfes zu erlauben, die Nacken- und Rückenmuskulatur zu trainieren.

Wie bedeutsam dies ist, erläutert die Pferde-Physiotherapeutin Helle Katrine Kleven: „Durch die Streckung verbunden mit dem Senken des Kopfes hebt sich der Rücken des Pferdes automatisch via Nackenband und Wiederrist nach oben. Je häufiger es das macht, desto mehr übernehmen die Muskeln die Funktion des Nackenbandes und werden dabei immer kräftiger, um schließlich das Gewicht des eigenen Körpers und des Reiters fast ohne Anstrengung tragen zu können. Durch das Senken des Halses wölbt sich außerdem der Brustwirbelbereich nach oben und die Oberlinie entspannt und dehnt sich. Die Unterlinie (Bauchmuskel) wird aktiviert und es kommt zu einer höheren Muskelspannung in diesem Bereich. Das harmonische und effiziente Zusammenarbeiten zwischen der Bauch- und Rückenmuskulatur führt zu verbessertem Gleichgewicht und Beweglichkeit.“

Anlehnung braucht Training

Aber wie kann diese Muskulatur gezielt trainiert werden? „Anlehnung“ lautet das Zauberwort, mit dem wir mit der Anwendung von EBEC den nötigen Freiraum geben, um einen kräftigen Rücken zu entwickeln – eine Kunst, die ein Vertrauensverhältnis zwischen Reiter und Pferd voraussetzt, denn die Anlehnung geht immer vom Pferd aus.

Die Zügel werden lockergelassen und das Pferd lehnt sich im Idealfall vertrauensvoll nach vorne in die lockeren Zügel und das Gebiss. Das gelingt natürlich nur, wenn das Pferd die Lerntheorien verstanden hat und die Stufe eins der EBEC-Pyramide beim Reiten sichergestellt ist. Ein Führen und „Lenken“ des Pferdes ist damit immer noch möglich und für die Versammlung auch wichtig, aber es ist kein Ziehen und Zerren notwendig, sondern lediglich ein sanftes Lenken mit den Fingerspitzen, das von Pferd und Reiter Aufmerksamkeit und Konzentration erfordert. Die Anlehnung ist also ein feines Kommunikationsmittel, das in beide Richtungen funktioniert.

Bei manchen Pferden klappt das auf Anhieb, andere benötigen länger, wie wir aus unseren Beobachtungen wissen. Die Anwendung der Lerntheorien (Stufe 3 der EBEC Pyramide) ist ein Muss und das darin untergeordnete „Shaping“, also das schrittweise Annähern an das Endergebnis, ist dafür eine hervorragende Technik der ersten Wahl. Ein Weg ist etwa, zunächst die Anlehnung vom Boden aus zu üben. Dafür neben dem Kopf stehend die Zügel angenehm lockerlassen und dem Pferd zeigen, wie es den Kopf zum Boden streckt. Das geht auch hervorragend mit einem gebisslosen Halfter, wie wir es in der AKA benutzen, wenn wir dem Pferd Dinge vorsichtig erklären müssen.

Wir wollen das Pferdemaul für das Gebiss gerne sensibel halten und sind daher zurückhaltend wenn es zum Einsatz im Training kommt. Druck annehmen und nachgeben sollte dann schon vom Pferd erlernt worden sein. Geduld und Ruhe sind gefragt, schließlich muss das Pferd erst begreifen, was von ihm verlangt wird. Manchmal sind es nur Millimeter, die es in einer Trainingseinheit vorwärtsgeht. Diese Kleinstarbeit zahlt sich aber langfristig aus, denn sie ist der Grundstein dafür, das Pferd später mit sanfter Hand führen zu können. Im nächsten Schritt wird dann die Anlehnung stehend neben dem Wiederrist geübt und schließlich vom Sattel aus. In manchen Fällen kann es auch sinnvoll sein, von einer gestreckten Position aus zu starten, in anderen während des Reitens. Das Prinzip bleibt aber das Gleiche: Geduld haben, kleine Trainingseinheiten bilden, dem Pferd Zeit lassen, zu begreifen. Ist das geschafft, ist es später ein Leichtes, die Streckung immer wieder in das tägliche Training einzubauen und so die Muskulatur des Pferdes zu stärken.

Wie ihr ein solch vertrauensvolles Training umsetzt, zeigen die Lehrgänge der AKA, vor allem der Bodenkurs. Dort erfahrt ihr, wie ihr euer Lernziel auf kleine Schritte herunterbrecht und eine pferdezentrische Perspektive einnehmt, wie es machbar ist, gleichzeitig loszulassen und trotzdem die Kontrolle zu behalten und wie die Kommunikation über kleinste Zeichen funktioniert. Außerdem gibt es jede Menge Infos über die physionomischen Voraussetzungen von Pferden, über die Zusammenarbeit der Muskulatur und wie ihr eure Tiere fit und gesund haltet.

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