Warum das Alpha-Konzept in der Pferdeausbildung nichts mehr zu suchen hat

Ich Mensch, ich Chef? Immer noch wird in vielen Ansätzen zur Pferdeausbildung propagiert, dass der Mensch während des Trainings eine dominante Position gegenüber dem Pferd einnehmen muss.

Auch wird häufig davon gesprochen, dass Menschen die Position einer „Leitstute“ übernehmen sollen. Ein längst überholter Ansatz, der von der wissenschaftlich basierten Trainingsmethode EBEC abgelöst wird.

Begründet wird die veraltete Denkweise mit der Herdenstruktur. Dass dies nur in Teilen richtig ist und schon gar nicht auf das Verhältnis von Mensch zu Pferd übertragen werden kann, zeigen inzwischen mehrere wissenschaftliche Studien.

Die Studie von Dr. Elke Hartmann, Dozentin an der agrarwissenschaftlichen Fakultät der Universität von Uppsala, unterstützt den modernen Ansatz, den Teilnehmer jeder Könnensstufe in der AKA erlernen können.

Frau Dr. Hartmann hat die Ergebnisse zusammengefasst und kommt zu dem Schluss, dass Dominanz im Verhältnis zwischen Mensch und Pferd nicht nur eine untergeordnete Rolle spielt, sondern auch Tier wie Mensch in Gefahr bringen kann.

Zunächst betrachtet die Fachfrau für Umwelt und Gesundheit von Tieren die Untersuchungen zu Strukturen innerhalb wild lebender Herden. Die Beobachtungen zeigen, dass es dort weder eine geradlinige Hierarchie gibt, noch dass ein dominantes Tier zwangsläufig das Leittier einer Gruppe ist.

Wenn es beispielsweise darum geht, dass die Herde sich in Bewegung setzt, sei es um sich in Sicherheit zu bringen oder auch neue Futterquellen zu erschließen, geht die Initiative dafür sehr oft nicht von dem ranghöchsten, sondern von einem oder auch mehreren rangniedrigen Tieren in der Gruppe aus.

Andere Beobachtungen zeigen, dass die Rangordnung, die oft an Alter und Verweildauer in der Herde geknüpft ist, weder statisch noch geradlinig ist, dass die soziale Interaktion innerhalb einer Gruppe von Pferden weitaus komplexer ist. Oft hat sich eine Struktur herausgebildet, in der ein ranghohes Tier nur in einem Teil der Herde „das Sagen“ hat, während ein anderer Teil der Herde von einem anderen Tier geleitet wird. Auch wechselt diese Ordnung, manchmal je nach Situation. Eine simple Hierarchie, wie wir Menschen sie etwa aus dem Berufsleben kennen, lässt sich also demnach gar nicht auf das Verhältnis von Pferden untereinander übertragen.

Hartmann und Kutsch weisen zudem darauf hin, dass „Dominanz“ innerhalb einer Herde oft erst dann eine Rolle spielt, wenn Ressourcen knapp sind, wenn Wasser- oder Futtermangel herrschen, wenn der Schutzraum beengt ist oder die Herde sehr klein ist und Fortpflanzungspartner fehlen. All dies ist in einer Trainingssituation jedoch gar nicht gegeben. In dem Fall besteht für das Pferd gar keine Notwendigkeit, mit dominantem Verhalten zu agieren oder zu reagieren.

Hartmanns Ergebnisse bestätigen zudem den Punkt, den Andrea Kutsch in der Anwendung von EBEC macht: Sieht das Pferd uns überhaupt als „Artgenossen“ an? Als ein Individuum, mit dem herdenimmanente Strukturen überhaupt aufgebaut werden können und sollen? Hartmann verweist darauf, dass bisher keine wissenschaftliche Studie dies belegt.

Der Umkehrschluss liegt also nahe, dass nicht nur die Relevanz der Dominanz-Theorie innerhalb der Mensch-Pferd-Interaktion eine äußerst geringe Rolle spielt, sondern auch, dass Pferde uns schlicht als das sehen, was wir sind: Keine Artgenossen.

„Das so genannte „Alpha“-Konzept“ innerhalb das Trainings mit Pferden hat keinerlei wissenschaftlich basierte Grundlage“, lautet die Schlussfolgerung von Hartmann und unterstützt damit voll und ganz die Anwendung von EBEC, die nicht auf eine Unterdrückungs- Macht- oder Leitansatz basiert.

Im Gegenteil: Die Anwendung von aggressiven, auf Dominanz-Verhalten basierenden Trainingsmethoden, können Mensch wie auch Tier in Gefahr bringen, denn das Pferd sei völlig überfordert damit und reagiere entsprechend mit Angst oder Verteidigungsmechanismen. An positive Trainingsergebnisse ist in so einem Setting nicht zu denken. Und es besteht die Gefahr, dass das Verhalten des Pferdes gedanklich weiter vermenschlicht wird.

Wer in Kategorien von Dominanz und Unterwerfung denkt, interpretiert Verunsicherung und das daraus folgende Verhalten schnell als „Racheakt“ oder „Bösartigkeit“ und unterstellt einem verwirrten, weil unverstandenen Tier, dass es „die Herrschaft“ übernehmen wolle.

Die Wissenschaftlerin rät dazu, sich für das Training mit dem natürlichen Verhaltensweisen der Pferde auseinanderzusetzen, so wie man sie in der AKA erlernen kann und statt auf Dominanz-Strukturen auf wissenschaftlich fundierte Lernmethoden zu setzen, etwa auf die am angeborenen Verhalten der Tiere orientierte Konditionierung. Wie das geht, lernt ihr in den Seminaren und Lehrgängen der AKA.


 

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