Endlich Winter! Klare, kalte Luft, die zum Spazierengehen und Ausreiten einlädt. Auch unsere Pferde genießen nach dem heißen Sommer die kühle Luft. Doch so wie uns Menschen Husten und Schnupfen drohen, sind auch unsere Tiere nicht vor den typischen Winterkrankheiten gefeit. Und wie bei uns sind es nicht an erster Stelle die kühleren Temperaturen, die Krankheiten begünstigen, sondern der Umgang damit. Wer sich als Mensch moderat draußen bewegt, mit Ernährung und Wechselbädern vorbeugt, wird seltener krank. Was brauchen unsere Tiere, um die kühle Jahreszeit gesund zu überstehen?

Großes Atemvolumen

„Um gut über die Wintertage zu kommen, ist es wichtig zu wissen, wie die Atmung der Tiere funktioniert“, weiß die diplomierte, auf Bronchialerkrankungen spezialisierte Tiermedizinerin Kara M. Lascola aus Alabama. Pferde nehmen eine riesige Menge Luft durch ihre Nüstern auf. Im Ruhezustand machen sie ca. 10 Atemzüge pro Minute, während des Trainings kann sich das bis zu verzehnfachen und die Menge an Atemluft, die dann eingesogen wird, steigt auf ca. 1.000 Liter pro Minute. (Zum Vergleich: Der Mensch hat ein Lungenvolumen von ca. 3 l und atmet zwischen 10 und 18 Mal pro Minute. Das macht 30 bis 54 Liter Luft je Minute, gegenüber den 100 Litern minütlich, die das Pferd bereits im Ruhezustand atmet). Die Luft wandert dabei durch die Luftröhre und endet in den feinen Verzweigungen der Lunge, von wo aus der Sauerstoff in das Blut übergeht und dann in alle Körperregionen transportiert wird.

Ausgeklügelter Schutzmechanismus

Auf der Reise in die Lunge passiert die Atemluft verschiedene Stationen, um das Pferd vor Krankheiten zu bewahren. Der Weg durch die Nüstern erwärmt die Luft und feuchtet sie an. Ebenso wird sie dort gefiltert, damit weder Staub noch Schimmelpartikel in die Lunge gelangen. In der Luftröhre wartet dann eine zweite Verteidigungsbarriere gegen Unbill, bestehend aus feinen, haarähnlichen Strukturen und einer Schleimschicht, die die Röhre einkleidet. Beide verhindern, das Reizstoffe und Pathogene die Lunge erreichen. Am Ende der Kette schützen dann spezielle Immunzellen den Bronchialtrakt vor Bakterien und Viren. Zusätzlich zu all diesen inneren Mechanismen verhindern auch reflexartiges Niesen und Husten Lungenkrankheiten.

Scylla und Charybdis

Lascola weist darauf hin, dass nicht nur Pferde mit Asthma in den Wintermonaten eher zu Atemwegserkrankungen tendieren. Kalte, trockene Luft kann, ebenso wie eine mit Viren oder Allergenen kontaminierte Umgebung, die natürlichen Abwehrprozesse negativ beeinflussen. Eine trockene Winteratmosphäre draußen kann bereits den ersten Abwehrschritt – das Anwärmen, Befeuchten und erste Filtern der Atemluft in den Nüstern – verhindern, indem sie die Schleimhäute austrocknet. So gelangen große Mengen nicht hinreichend erwärmter Luft in die Lunge.

Zusätzlich sind die feinen Verzweigungen in der Bronchien äußerst temperaturempfindlich: Bei Kälte ziehen sie sich zusammen, die kühle Luft bleibt also länger in diesem Bereich „stecken“ und Sauerstoff gelangt langsamer ins Blut.
Erfolgt das Training dagegen in der Halle, ist die Gefahr von einer Erkrankung ebenso groß, denn dort wird das Tier nicht nur einer höheren Zahl Allergenen und Viren ausgesetzt, auch dort trocknen seine Schleimhäute schnell aus. Diese Situation ist vergleichbar mit der des Menschen, der im Winter in trockener Heizungsluft und geschlossenen Räumen einen hohen Kontakt zu anderen Personen hat und nicht wegen der kalten Winterluft, sondern wegen der ausgetrockneten Schleimhäute und des größeren Kontaktes zu Bakterien erkrankt.

Gesunde Luft

Was ist also die Lösung? „Verbringen die Pferden viel Zeit im Stall, sollte der ausreichend belüftet werden“, rät die Wissenschaftlerin. Bei schönem Wetter geht es aber gerne raus, jedoch sollte das Training dann nicht übertrieben werden. Außerdem wichtig: Kein Training in einer Umgebung mit einem hohen Allergen- und Reizstoffpotenzial, z. B. in der Halle direkt nach der Stellreinigung oder in Innenräumen, in denen sich sehr viele Tiere aufhalten.

Weiterer Tipp von Lascola: Tier und Umgebung genau beobachten und zu vorbeugenden Maßnahmen greifen. Warum dazu nicht unbedingt eine Decke gehört, erfährst Du hier: Wann frieren Pferde?

Was Du noch tun kannst, damit Dein Tier die kalte Jahreszeit gut übersteht und wie Du auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und physischer Voraussetzungen die richtigen Entscheidungen für Dein Pferd triffst, lernst Du in den Kursen und Seminaren der AKA.


 

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