Jede Frau kennt es: Der monatliche Zyklus beeinflusst unser Verhalten, unsere Stimmung – und macht uns manchmal richtig fies launisch.

Unseren Stuten geht es da nicht anders: Sie verhalten sich scheinbar aus dem Nichts unvorhersehbar, reagieren manchmal nicht auf die erlernten Konditionierungen, die sonst so gut funktionieren, und sind generell schwieriger im Umgang.

Doch Veterinärmediziner Peter Sheerian aus Pennsylvania warnt davor, vorschnell den Zyklus immer und per se für solche Auffälligkeiten verantwortlich zu machen. Denn sie können durchaus auch auf Schmerzen und gravierende medizinische Probleme hindeuten.

Kalender führen zum Zyklus der Stute

Um genau unterscheiden zu können, was die Stute motiviert, so unberechenbar zu sein, ist es wichtig zu wissen, wie der Zyklus weiblicher Pferde funktioniert. Anders als beim Menschen ist er nur drei Wochen lang, an 7 Tage von 21 Tagen ist die Stute empfängnisbereit. Dieser Zyklus findet nur zwischen Mai und Oktober statt.

Nur dann und auch nur in den 7 Tagen des Eisprungs hat ein launisches, unberechenbares Verhalten einer Stute ihren Zyklus als Ursache. Wem also auffällt, dass sein weibliches Tier öfter kleine Mengen uriniert, mit den Schweif schlägt, unmotiviert wiehert, auf sonst bestens antrainierte Konditionierungen schlecht oder gar nicht reagiert, der sollte zunächst zum Kalender greifen. Und genau Buch führen, ob das ungewöhnliche Verhalten auch in den genannten regelmäßigen Abständen auftritt. Tut es das nicht oder wird es gar im Winter beobachtet, dann liegen womöglich andere Ursachen vor.

Die Stute genau beobachten

Sheerin rät zudem zur sehr genauen Beobachtung. „Eine Stute, die empfängnisbereit ist, wird beim häufigen Urinieren den Schweif heben und nur wenige Tropfen absetzen. Eine Stute, die Schmerzen hat, wird ihren Schweif dabei schlagen oder einklemmen und deutlich mehr Urin absetzen.“ Oder gar keines – wenn z.B. eine Blasenentzündung vorliegt.

Auch wenn die Ovulation Schmerzen bereitet, wird eine Stute unleidlich reagieren – und das auch außerhalb der normalen Zyklusabfolge. Oft wird eine solche Entzündung mit einer Kolik verwechselt und die Entzündungshemmer, die dann verschrieben werden, lindern auch die Unterleibsschmerzen. Machen die Schmerzen der Entzündung die Stute nach drei Wochen jedoch wieder unberechenbar, ist eine genauere Untersuchung der Eierstöcke angezeigt.

Wenn die Stute sich wie ein Hengst benimmt

Auch wenn die Stute einen Tumor in den Eierstöcken trägt, ist ihr unleidliches Verhalten leicht falsch zu interpretieren. Der Unterschied zu zyklusbedingten Ursachen: Die Stute verhält sich andauernd und ständig so, als sei sie empfängnisbereit.

Da ein Tumor den Hormonhaushalt durch Testosteron beeinflusst, gebärden sich betroffene Stuten manchmal auch wie Hengste: Sie jagen andere Pferde und versuchen diese zu besteigen, ihr Nacken ist fast permanent gebeugt. All dies sind Hinweise auf ein mögliches Geschwür.

In diesem Fall sind eine Ultraschalluntersuchung und das Entfernen des betroffenen Eierstocks notwendig. Nach einer solchen Operation setzt der Zyklus dann meist für sechs bis neun Monate aus, danach ist die Stute wieder in der Lage, Fohlen auszutragen.

Hormongaben fürs Pferd?

Zyklus im täglichen Training hin oder her: Manchmal fällt das Verhalten einfach in eine Zeit, in der das Tier konzentriert und leistungsbereit sein sollte.

Der einfachste und preiswerteste Weg, den Zyklus zu unterdrücken, ist die tägliche Pille. Unter Progestin sollte das unerwünschte Verhalten binnen 30 Tagen nachlassen. Ist dem nicht so, ist eine genauere medizinische Untersuchung fällig.

Eine andere Form der hormonellen Unterdrückung des Zyklus ist eine wöchentliche Spritze. Der Veterinärmediziner Ryan Ferris, Spezialist für Pferdezucht aus Oregon, rät jedoch dazu, genau hinzusehen, mit welchem Hormon gearbeitet wird. Denn nicht alle haben den gewünschten positiven Einfluss auf das Verhalten.

Das künstliche Progestin Depa-Provera etwa sei wenig wirkungsvoll, während Progesterone den Zyklus zwar nicht verhindern, jedoch derart beruhigend wirken, dass das Verhalten sich normalisiert. Wenig effektiv dagegen seien Implantate, wie sie z.B. bei Rindern verwendet werden.

Was ist von mechanischen Eingriffen zu halten?

Von der alten Methode, eine Glasmurmel in den Uterus zu platzieren, um eine Schwangerschaft vorzutäuschen, rät Ferris dingend ab: Studien haben gezeigt, dass dies später zu Empfängnisschwierigkeiten führen kann.

Gängiger ist es dagegen, den Uterus mit Erdnussöl zu fluten – das exakt am 10. Tag nach dem Eisprung. Auch dies simuliert eine Schwangerschaft, ist jedoch zuverlässiger und vor allem sicherer als die Murmelmethode. Ebenso gut funktionieren auf den Zyklus abgestimmte, intramuskulär gespritzte Hormongaben von Oxoytocin.

Der Nachteil beider Methoden: Sie müssen nicht nur zum exakten Zeitpunkt gestartet werden, sondern der genaue Zeitpunkt, an dem sie nicht mehr greifen, ist auch schwer vorherzusagen. 60 bis 90 Tage lautet die Prognose. Das ist eine weite Spanne und nichts wäre ärgerlicher, als wenn nach aller Mühe der Eisprung mitten an einem großen Turnierwochenende einsetzt.

Last not least bleibt die radikale Methode, die Eierstöcke komplett zu entfernen. Wer sich wohlüberlegt für diesen Schritt entscheidet, sollte in jedem Fall vorher medizinisch sicherstellen, dass das unruhige Verhalten wirklich mit dem Zyklus zusammenhängt. Ferris rät dazu, die Operation dann im Januar oder Februar durchzuführen, wenn der Zyklus ruht.

Dieser Blogbeitrag will dir das erste Handwerkszeug liefern, um festzustellen, ob deine Stute aufgrund ihres Zyklus bockt oder ob womöglich gravierendere Ursachen vorliegen. In den Kursen und Seminaren der AKA lernst du alles über solche körperlichen Zusammenhänge und wie du Krankheiten und Schmerzen von Pferden auf die Spur kommst. Zudem erfährst du dort, wie du mit Stuten, die „ihre Tage haben“, für beide Seiten sicher und souverän umgehst.


 

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