Bei Verladeprobleme und dem Verladetraining ist nicht Dominanz sondern Pferdekommunikation die Lösung

Ein Pferd geht ohne zu zögern auf den Anhänger – davon können viele Halter nur träumen. Doch was bringt das Pferd dazu, sich so ruhig in diese für den Pferdeinstinkt eigentlich bedrohliche Situation zu begeben? Manch ein Pferdeflüsterer würde von Dominanz, Unterwerfung oder Demütigkeit sprechen, andere selbsternannte Pferdekommunikationsexperten von Vertrauen in den Trainer. Beide liegen falsch. Pferde lernen nach dem Prinzip: „Was habe ich getan, und wie ist es mir dabei ergangen“, weiß Andrea Kutsch aus ihrer täglichen Arbeit und vermittelt diese Inhalte in Reit- und Pferdetrainingsseminaren seit sie erste wissenschaftliche Bachelorstudien dazu erstellt hat. Weiter verstärkt und erneut bestätigt wird diese Erkenntnis jetzt durch eine breit angelegte Meta-Studie.

Ein internationales pferdewissenschaftliches Forscherteam hat sich rund 100 wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Pferdetraining genauer angesehen. Untersucht wurde dabei, ob Pferdedominanz, Rangordnungsverhalten, Hierarchie und Anführerschaft zu brauchbaren Lernresultaten führt. Ihr Ergebnis: Dies ist eher nicht der Fall. Was heisst das nun konkret? Leitsätze und Lerninhalte, wie „Der Mensch übernimmt die Rolle der Anführerschaft“ oder „Der Mensch wird durch das Wegtreiben des Pferdes zur Leitstute“, wie sie von Pferdeflüsterer Monty Roberts oder auch Pat Parelli vermittelt werden, sind überholt und kontraproduktiv. Ein langanhaltender Lernerfolg konnte bis heute nicht nachgewiesen werden.

Ein Grund dafür ist das natürliche Verhalten der Fluchttiere in freier Wildbahn: Innerhalb eines Herdenverbandes kann nahezu jedes Pferd die Führungsrolle übernehmen – in diesem komplexen Sozialgefüge werden die Aktivitäten so aufeinander abgestimmt, dass sie den Zusammenhalt stärken und damit das Überleben der Gruppe sichern. Das Konzept eines einzelnen dominanten Lebewesens, einer Führungspersönlichkeit, ist also eine menschzentrische Sichtweise und für Pferde komplett irrelevant. Ohnehin sei es fraglich, ob Menschen überhaupt in die soziale Hierarchie unter Pferde mit einbezogen würden, so die Forscher in ihrer Studie, die im Journal of Equine Veterinary Science veröffentlicht wurde.

Im Lernprozess des Pferdes auf das Pferdeverhalten konzentrieren und sanfte Konsequenzen bereithalten

Wenn nun also Dominanz, welche ja eigentlich auf Leadership Prinzipien basiert, irrelevant für den Lernprozess eines Pferdes ist, was ist es dann, das ein Pferd dazu bringt, Aufgaben zu erfüllen? Auf den Pferdeanhänger zu gehen oder eben auch nicht. Oder beim Schliessen der Verladerampe rückwärts zu springen, so dass ein umfangreiches Verladetraining nötig wird. Wie entsteht dann beim Reiten im Freizeitsport oder beim Springen oder Dressurübungen ein nicht gewünschtes Verhalten, was Pferde an den Tag legen? Das Forscherteam kommt in seiner Pferdewissenschaftlichen Studienzusammenfassung vom Januar 2017 zu dem Schluss: „Viel wahrscheinlicher als Dominanz oder Hierarchie, ist die Verstärkung im Sinne der behavioristischen Lerntherorien, welche die Reaktion des Pferdes auf einzelne Trainingsschritte bestimmt.“ Eine Aussage, die sich mit der wissenschaftlich basierten Pferdetrainingsmethode EBEC eins zu eins deckt. Da Behavioristen sich auf Beobachtbares beschränken, halten sie für ein Verhalten eines Pferdes immer eine Konsequenz bereit. „Diese Konsequenz darf keinen Schmerz verursachen, da sie das Pferd in eine emotionale Aufrgeung versetzt, die den Lernerfolg eindämmt“, weiss Kutsch aus eigenen Analysen und Studien. Die Anwendung von Evidence Based Equine Communication stellt sicher,  dass die Konsequenz die das Pferd erhält Pferdeaufregung und Stresssymptome im Pferd ausschließt.

Ausgehend von wissenschaftlich belegten Kenntnissen über das Pferdegehirn, das Sichtfeld, die natürlichen Verhaltensweisen und das Lernvermögen von Pferden, ist es leicht, sich in dessen Perspektive zu versetzen und zu verstehen, wie die „Verstärkung von Reizen“ auf Pferde wirkt. Umgekehrt ist ein Pferd, das eine Unart präsentiert und sich vom Strick oder Anbindeplatz losreißt oder ein Pferd, das einen Sprung verweigert, kein „dominantes“ Pferd oder will den Menschen „testen“ – das ist menschzentrisch gedacht. All dies sind Aufgaben, die der eigentlichen Natur des Pferdes widersprechen und sie müssen von ihm erlernt werden. Eine wissenschaftlich basierte pferdezentrische Perspektive schafft eine stressfreie Atmosphäre und macht die Konditionierung des Pferdes einfach und führt zu langanhaltenden, positiven Resultaten.

Harsche Trainingsmethoden und damit verbundene Dominanzdemonstrationen, wie sie häufig bei altmodischen Pferdeausbildern zu beobachten sind,  – und auch das hat das Forscherteam festgestellt – unterbinden gerade diesen für das Pferd sinnstiftenden Zusammenhang zwischen Aufgabenbewältigung und natürlichem Instinktverhalten und führen zum Gegenteil: Das Pferd verbindet einen derart beigebrachten Trainingsschritt mit einer unangenehmen Erfahrung und es wird das nächste Mal eher ausweichen – getreu dem Muster der Konditionierung. Die Forscher konkretisieren weiter: „Die Anwendung von Dominanz- und Führungskonzepten können das Pferdewohl, wie auch die menschliche Sicherheit gefährden“. „Wir werden selbst niemals zum Pferd, können uns aber über wissenschaftliche Erkenntnisse ein Know-How aneignen, welches uns hilft, das Training so gut wie möglich aus der Pferdeperspektive zu gestalten“, so Andrea Kutsch. Deshalb ist für sie Dominanz als Trainingskonzept längst überholt – zu Gunsten einer aus pferdezentrischer Sicht konzipierten Trainingsmethode.

Neugierig geworden? Was genau EBEC ist und wie das Training funktioniert,  erfahren Sie in unseren Info-Veranstaltungen und Einstiegsseminaren.


 

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