Folge-Symptome einer Stress-Situation erkennen

„Der verdaut nur!“, „Der denkt nur nach!“ – das sind die gängigen Interpretationen des gelegentlich zu beobachtenden Leckens und Kauens von Pferden. Und sie sind alle unzutreffend. Wie Andrea Kutsch es schon zu ihrer Zeit als Pferdeflüsterin vermutete und es die Anhänger der Pferdeflüsterer heute noch immer praktizieren, ist das Lecken und Kaufen beim „Jagen im Kreis“ bis das Pferd sich unterwirft gar kein gutes Zeichen. Ihre Vermutung war der ausschlaggebende Grund, warum Andrea sich auf eine wissenschaftliche Reise begab und das weltweit einzigartige Trainingskonnzept EBEC (englisch: Evidence Based Equine Communication, deutsch: wissenschaftlich basierte Pferdekommunikation) entwickelte. In der AKA erlernen die Teilnehmer, wie man korrekt mit der Gestik des Pferdes umgeht und wann es zu vermeiden gilt das es überhaupt zum Lecken und Kauen des Pferdes im Training kommen darf. Behaviouristin Sue M. McDonnell, Gründerin der Pferdesparte am veterinärmedizinischen Referat der University of Pennsylvania weiß aus mehreren Studien: Das Verhalten der Tiere geht zwar mit Entspannung einher, allerdings in einer negativ besetzten Form: mit der Entspannung nach Angst, Stress oder Unwohlsein jedweder Art. Und ist damit eine klare Botschaft an den Trainer. Equine Coaches der AKA übersetzen Pferdebesitzern die Gesten im Trainingsprozess aus einer pferdezentrischen Perspektive und erklären, wie der Mensch darauf eingehen kann.

Das ist notwendig, vor allem, da die Basis des Verhaltens wohldosiertes Reiz-Reaktions-Schema des vegetativen Nervensystems ist, das u.a. lebenswichtige Funktionen wie Herzschlag, Atmung, Verdauung und Stoffwechsel  kontrolliert, steuert und im Notfall auch aufrecht erhält. Sympathikus und Parasympathikus heißen die beiden sich ergänzenden Gegenspieler, die dafür Sorge tragen, dass der Organismus auch unter Stress und Gefahr durch eine äußerst feine und unwillkürliche Regulation der Organtätigkeit weiter funktioniert und sich gegebenenfalls retten kann. Der Sympathicus hat dabei eine ergotrope Wirkung, heißt, er erhöht die nach außen gerichtete Aktionsfähigkeit bei tatsächlicher oder gefühlter Belastung und versetzt den Körper in hohe Leistungsbereitschaft, um ihn auf Kampf (Raubtiere) oder – wie im Fall des Pferdes – auf Flucht vorzubereiten (Flight-or-fight). Diese geballte Energie, die in Muskulatur, Blutgefäße und Drüsen fließt, wird an anderer Stelle abgezogen. Im Fall des Pferdes: Es bekommt ein trockenes Maul.

Uns Menschen ist dieses Reaktionsmuster nicht unbekannt. Verlieren wir zum Beispiel bei Glatteis die Kontrolle über das Fahrzeug, bricht uns der Schweiß aus und unser Herz rast. Ist die Gefahr vorbei – haben wir trockene Lippen und müssen oft erstmal Schlucken. Nun greift der Parasympathikus. Er verlangsamt den Herzschlag und die Organtätigkeit auf das Normalniveau, der Körper ist nun nicht mehr auf Fluch oder Kampf ausgerichtet. Und der Speichel beginnt zu fließen. Zum einen, weil nun wieder genug Energie da ist, um auch die nicht-lebenswichtigen Organe und Körperteile zu versorgen, zum anderen auch deshalb, weil der Körper nach dem Stress nach Nahrungsaufnahme giert.

Das Lecken und Kauen ist also eine ganz normale Begleiterscheinung dieses Reiz-Reaktions-Musters. Das Verhalten zeigt aber vor allem ganz deutlich, wenn das Pferd unter Stress gestanden hat, wenn es überfordert wurde oder einer angsteinflößenden oder belastenden Situation ausgesetzt war. So ist es häufig nach hoher Belastung im Round-Pen zu beobachten. Ebenso, wenn ein Pferd auf den Hänger gezwungen wurde. Das Nervensystem signalisiert Gefahr und bereitet den Pferdekörper auf sein instinktives Verhalten vor: Die Flucht. Ist die Situation vorbei, fließt der Speichel.

In den Einstiegsveranstaltungen und Lehrgängen der AKA lernen Sie, dass es für das Pferd gar nicht erst zu diesem körperlich und nervlich belastenden Reaktionsmuster kommen muss. Der Einsatz des Pulsgurtes sowie das Vermitteln von Ethogrammen sorgen für ein konsequentes Monitoring, für ein Training, dass das Pferd zwar fordert aber nicht überlastet Es wird durch pferdezentrische Kompetenz verhindert, dass das Tier sich wie in einer Gefahrensituation verhält. Unsere Verlade-Seminare bieten dafür die ideale Basis. Grundsätzlich sorgen die intra- und interspezifische Kommunikation, wie Sie sie in der AKA erlernen können dafür, dass Stress gar nicht erst entsteht und der belastende Mechanismus als Reaktion darauf somit nicht nötig ist.
Bei Fragen zum Ausbildungsprogramm der Andrea Kutsch Akademie schreibt eine Email an office@andreakutschakademie.com

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