„Oh, er ist immer so eifersüchtig, wenn ich mit dem Hund spiele!“

„Sie ist immer ganz glücklich, wenn sie auf die Weide darf!“

„Er ist total verspielt und nimmt jede Herausforderung mit Humor!“

Keine Frage, wenn es um unsere Pferde geht, um deren Charaktereigenschaften und Verhalten, stehen Emotionen hoch im Kurs. Die Behavioristin Dr. Maria J. Hötzel, Expertin für die Haltung und das Wohlbefinden von Pferden von der Universität Santa Catarina, hat rund 700 brasilianische Pferdehalter in einer umfassenden Studie befragt. 77 % von ihnen waren der Meinung, dass Pferde Glück empfinden können, 41 % glaubten, dass sie zur Eifersucht fähig seien.

Glückliche Pferde brauchen unser aktives Handeln

Die Tatsache, dass wir Pferden Gefühle zuschreiben, wertet die Wissenschaftlerin durchaus positiv. Dies macht uns empathischer und bringt uns den Tieren näher.

Dennoch scheint es auf einem anderen Blatt zu stehen, diese den Tieren zugeschriebenen Gefühle auch konsequent in den alltäglichen Umgang mit ihnen einfließen zu lassen. Anders gesagt: Obwohl die Zuschreibung von Emotionen universell zu sein scheint und obwohl sich wohl jeder Pferdehalter auf der Welt ein glückliches Tier wünscht, werden immer noch Trainingsmethoden und Haltungsformen praktiziert, die Pferden negative Gefühle verursachen.

Reflektierte Beobachtung macht Gefühle sichtbar

An einer mangelnden Reflexion liegt das nicht: Die von Hötzel in ihrer Studie befragten Pferdehalter waren in ihren Aussagen sehr differenziert. Sie beschrieben nicht nur generelle Emotionen, wie grundsätzliche Eifersucht, Missmut oder Fröhlichkeit, sondern machten punktuelle Emotionen auch ganz klar an von ihnen selbst beobachteten körperlichen Ausdrucksformen der Tiere fest – sei es die Körperhaltung, der Gesichtsausdruck, das Vokalisieren, ja, sogar ein als bewusst herbeigeführte Kommunikation mit dem Menschen gewertetes Verhalten.

Ursache und Ausdruck von Schmerz

Einen Schwerpunkt der Befragung stellten die Ausdrucksformen von Schmerz dar. Erschreckend: Nur 97 % der Befragten waren der Meinung, dass ein Pferd überhaupt in der Lage sei, Schmerz zu empfinden. Die Art und Weise wie detailliert diese Halter jedoch verschiedenste Ausdrucksformen von Schmerz beschrieben, wertete Hötzel als Zeichen dafür, dass sie sich intensiv mit den Tieren befassten, sie wahrnähmen, sie gut, genau und vor allem mit viel Empathie beobachteten.

Viele Halter nannten das Beispiel einer Kolik als Ursache der Schmerzen und als Referenzpunkt ihrer Erkenntnisse, aber ein scheuernder Sattel, Lahmheit, ein schlecht sitzendes Gebiss, Sporen, Verletzungen und das Brandmarken wurden ebenfalls häufig als Schmerzquelle identifiziert und waren so Grundlage des beobachteten Verhaltens des körperlichen Ausdrucks.

Verstehen wir besser, wann es den Tieren gut geht

An dem Punkt des Erkennens von Schmerz sieht Hötzel noch Aufklärungsbedarf. Denn obwohl – davon geht sie aus – sowohl die von ihr befragten wie auch sämtliche Pferdehalter überall auf der Welt dank der Zuschreibungen von Emotionen möchten, dass ihr Pferd glücklich ist, dass es das beste aller Leben hat, voller positiver Gefühle, sieht es in der Praxis nicht immer so aus.

Sei es aus Unwissenheit um das Bedürfnis des Tieres oder aber aufgrund einer generellen Akzeptanz, dass einige Dinge im Pferdesport nun mal so seien – den Tieren geht es nicht immer gut. Und meist werden althergebrachte Methoden gar nicht hinterfragt oder gar im Alleingang geändert.

Gefühlszuschreibungen nutzen, um besser auf Bedürfnisse von Pferden einzugehen

Hötzel erwähnt beispielsweise die Haltung in Isolation im Gegensatz zu dem erwiesenen Wohlbefinden, das der Herdenverband (https://andreakutschakademie.com/lieber-gemeinsam-statt-einsam/) mit sich bringt oder auch den unsensiblen Umgang mit verängstigenden Situationen – etwa dem Aufstieg auf den Hänger oder dem Rückwärtsgehen.

Ohne das Vorwissen, warum diese Situation so beängstigend ist und ein abgestimmtes Training, das Lernziele auf kleine, für das Pferd zu meisternde Etappen herunterbricht (z.B. Shaping), ergibt sich – meist völlig ungewollt – eine traumatische Situation für das Tier.

Die Tatsache, dass den Pferden Gefühle zugeschrieben werden, dass z.B. etwa 92 % der Befragten glauben, dass Pferde Angst empfinden, dass 65 % denken, Pferde können sich langweilen, ist, so die Wissenschaftlerin, eine wunderbare Basis für weiteres Umdenken, für eine umfassendere Schulung aber auch eine Gesetzgebung, die am Ende zum Wohlbefinden der Tiere in allen Facetten führt. Als zusätzlicher Hintergrund jedoch sei weitere Forschungen nötig, gerade was den kulturell unterschiedlichen und historisch erlernten Umgang mit Pferden anbelangt.

Glückliche Pferde brauchen dein Wissen

Du willst dein Wissen um das Wohlbefinden von Pferden erweitern? Du willst das Handwerkzeug, um genau zu wissen, wann es deinem Tier gut und wann es ihm schlecht geht? Du willst ein Training praktizieren, dass erfolgreich ist, statt dem Tier Angst zu machen? Die Kurse der AKA zeigen dir den Weg dorthin und geben dir mit EBEC (Evidence Based Equine Communication) eine Methode an die Hand, die dich und dein Pferd „glücklich“ macht.


 

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